Geschrieben von Denis
Nachdem Marcel sich Anfang der Woche den US Shop Asos.com angeschaut hat (Teil 1 & 2) widme ich mich heute einem deutschen Shop: Zalando
Zalando gehört zu 95% den Samwer Brüdern Rocket Internet, zu 5% Tengelmann. Nach letzter Meldung von Jochen Krisch zu der eCommerce Offensive von Rocket Internet zählt Zalando als der Hoffnungsträger der VC-Geber.
Erster Eindruck
Aufgeräumt, luftig, textlastig, ein dickes Teaserbild – so sticht mir die Homepage von Zalando ins Auge. Auf dieser hellen Seite wird sehr viel Weiß und Grau verwendet, so sind farbige Elemente sehr aufmerksamkeitsbindend. Mich lachen da zwei Siegel (TüV & Trusted Shops) an, die ich leider nicht anklicken kann. Intensiv leuchtet die Navigationsleiste, darunter direkt ein großes Feld für rotierende Teaserbilder, die aktuelle Themen und Trends des Shops zeigen. Die Texte auf den Teasern sind teilweise schlecht lesbar (weiße Schrift auf Pastellfarben), die Linktexte sind teilweise komisch (lediglich ein “Hier” anstatt einer Klickaufforderung) und mir fehlt die Anzeige, wieviele Themen es gibt (z.B. 1/5), aber ansonsten eine gute Methode, um effizient verschiedene Themen auf der Homepage unterzubringen. Unter dem Hauptteaser liegen drei kleinere Banner, die Marken bewerben.
Die Lücken zwischen Navi und Teasern werden mit Servicehinweisen und SEO-Texten zugespachtelt, wodurch die Site sehr textlastig wird.
Das Sortiment
Im Bereich Schuhe hat die Truppe von Zalando ganze Arbeit geleistet. Nach einer Untersuchung von Thorsten Boersma bzgl. der Angebotsvielfalt (Artikelmenge, Markenzahl) kommt Zalando auf Platz 3 nach Artikelzahl, Platz 2 bei der Anzahl Mainstream Marken und Platz 2 bei der Anzahl von Trendmarken. Klingt ja nicht schlecht. Thorsten Boersma schreibt von 9.000 Paar Schuhen, Zalando selber listet 7.100 Artikel bei Damenschuhen, 2.300 Artikel bei Herrenschuhen, 1.000 Artikel bei Kinderschuhen. Mit Artikel ist bei Zalando das Produkt in der spezifischen Farbe gemeint. Schaut man in die Sondergrößenbereiche wird das Sortiment leider sehr dünn. Lediglich 5 Herrenschuhe über Größe 49. Das ist ja fast diskriminierend, allerdings leider noch sehr häufig der Fall in den hiesigen Onlineshops.
Ursprünglich als Schuhhändler gestartet verkauft Zalando inzwischen auch Bekleidung & Accessoires (ca. 4.700 Artikel Damen & Herren). Das Bekleidungssortiment ist dabei eher sportlich / casual.
Das Preisgefüge auf Zalando zeigt sich ausgewogen. Von der 700€ BOSS Handtasche, über die 500€ Outdoorjacke von The Norht Face, bis hin zum 15€ Shirt von Tom Tailor ist alles dabei. Die Schuhpreise erreichen ihr Maximum mit 400€ bei den Damenstiefeln.
Zugang & Useability
Zalando geht bei der Hauptnavigation den traditionellen Weg und verwendet eine horizontale, einzeilige Navigationsleiste + Layer. In den Layern sind Marken und Kategorien aufgelistet, um einen schnellen Einstieg zu gewährleisten. Verwunderlich ist, dass die Layer nicht voll genutzt werden und lediglich einige Kategorien und Marken aufgeführt werden. In Zeiten großer Bildschirme sind größere Layer drin. Zumal bei dem Navigationspunkt “Bekleidung” ein relativ langer Layer zum Einsatz kommt. Warum dann nicht in die Breite gehen?
Die Zugangswege zum Sortiment beschränken sich in erster Instanz auf Marken und Kategorien. Die Einstiegsseiten innerhalb der Module (Damen, Herren etc.) bestehen aus einem großen Teaser, flankiert von zwei kleineren Bannerflächen, ansonsten im Wesentlich aus Produktliste. Alles insgesamt wenig inspirierend und nüchtern. Die Standard-Zugangswege, wenige Themenklammern, keine “emotionaleren” Zugangswege (z.B. Asos inspire me). Wenn man es positiv sehen will: Dafür werden die User auch nicht abgelenkt und das Sortiment steht im Vordergrund. Mit nur einem Click in die Navigationsleiste ist man auf einer filterbaren Produktliste.
Womit wir beim Thema Filtern wären. Hier verhält es sich ähnlich wie mit der Navigationsstruktur. Alles ordentlich, die harten Filterkriterien sind alle dabei. Weiche Faktoren, wie Anlässe oder VIPs (“wer hat’s mal getragen?”) sucht man vergeblich. Ein wenig schade ist der nicht-harmonisierte Größenfilter. Hier werden scheinbar die verschiedenen am Artikel gepflegten Größen gelistet, ohne führendes Größensystem. Was hier genau dahinter steht, ist schwer zu sagen, ohne die genauen Daten zu kennen. Mit harmonisierten Größenfiltern (z.B. Mirapodo) sieht’s einfach schöner ordentlicher aus.
Abgerundet wird die Filterleiste übrigens durch schön belanglosen SEO-Tütentext, Bsp. Damenschuhe:
Der Damenschuh ist eines der wichtigsten Accessoires der Frau. Neben Kleidung und Handtasche sollten die Damenschuhe perfekt mit dem jeweiligen Outfit abgestimmt werden.
Sehr aufschlußreich
Um die Navigationsangebote abzurunden, wird noch der Zugang über Marken angeboten. Hierbei handelt es sich um die Standard-Produktliste mit einem branding Banner versehen. Als letzte Module werden “Shops” und die Zalando-Lounge angeboten. Zur Lounge komme ich später noch. Hinter “Shops” verbergen sich Themenwelten / spezielle Sortimentsklammern. Oftmals in anderen Shops als “Specials” o.ä. betitelt.
Die Suche scheint eine gewichtete Volltextsuche zu sein. Beim Begriff “Deutschland” kriege ich allerhand Artikel gelistet, bei einem so exotischeren Begriff wie “Trikot” bekomme ich nur ein Shirt. Abgesehen von den kleineren qualitativen Mankos, arbeitet die Suche schnell und bietet zudem die bekannten Filtermöglichkeiten an. Funktional also alles im grünen Bereich. Eine Anreicherung der Suchergebnisse um Promos o.ä. gibt es nicht.
In unserer Rubrik Zugang & Useability findet sich last but not least der Anschauungspunkt der Produktempfehlungen. Welche Produktempfehlung? Ja, ganz genau. Die, die sich bei Zalando leider nur sporadisch blicken lässt. Als Empfehlungsart ist mir auf der Artikeldetailseite nur ein “Das könnte Ihnen auch gefallen” untergekommen, dass mir zu meiner Fleecejacke lediglich weitere Jacken empfahl. Bei einigen Schuhe (Kernsortiment!) waren gar keine Empfehlungen vorhanden. Hier sehe ich noch Potenzial, flächendeckend brauchbare Empfehlungen zu zeigen, nicht nur auf der Artikeldetailseite.
Produktpräsentation
Bei der Produktpräsentation punktet Zalando mit der schlichten Eleganz, die ich eben noch angeprangert habe. Keine emotionstriefenden Imagevisuals auf den Einstiegsseiten, womit der Shop natürlich entsprechend nüchtern daherkommt, aber die Produktlisten wirken aufgrund der einheitlichen Fotografie aufgeräumt. Die Artikel sind allesamt gelegt fotografiert und mit mindestens drei Artikelbildern versehen (vorne, hinten, Detail). Auf der Artikeldetailseite ist Platz für bis zu sieben Artikelfotos in einer Reihe. Die Artikeldetailseite macht einen guten Eindruck. Die durchschnittliche Kundenbewertung zu Qualität, Komfort und Aussehen ist sofort sichtbar (wenn auch nicht klickbar, um zu den Details zu gelangen). Ein Link zu weiteren Artikeln der Marke des Artikels ist vorhanden, Wunschzettel ist da, Weiterempfehlungsfunktion, Lieferauskunft und sogar eine Benachrichtigungsfunktion für die Wiederverfügbarkeit einzelner Größen des Artikels.
Die Artikeltexte machen einen guten Eindruck: Ein dicker Block Werbetext, danach eine Auflistung einiger Artikeldetails und anschließend ein paar Worte zur Marke. Besonders Letzteres finde ich eine gute Idee, wobei ich mir vorstellen kann, dass man den Platz auf der Detailseite auch vertrieblich sinnvoller verballern kann mit weiteren Produktempfehlungsarten. Die textlichen Infos sind leider in einer Art Frame eingebettet, worin man nochmals scrollen muss, um alle Details zu lesen.
Videos oder Bewegtbild sucht man vergeblich im Shop.
Services
Ok, Zalando versendet kostenlos. Soviel konnte ich mir merken dank intensiver Propaganda. Das Service-Dreigestirn kostenloser Versand & Rückversand, 100 Tage Rückgaberecht und kostenlose Hotline werden auf der Artikeldetailseite im sofort sichtbaren Bereich (15″ MBP) sage und schreibe 3x aufgeführt. Und das inkl. 2x Telefonnummer. Das Serviceversprechen ist eindeutig. Zusätzlich gibt’s noch einen Servicechat und die üblichen FAQs. Mit dem Servicechat wird sogar sprachscheuen Kellerkindern die zeitgemäße Kontaktmöglichkeit geboten. Ich mache mich hier so sarkastisch über das Servicespamming her, aber mal ganz im Ernst, das ist schon super.
Mich würde mal interessieren, ob die 100 Tage Rückgaberecht der Conversionhammer sind, aber immer kostenloser Versand ist natürlich klasse und noch lange nicht marktüblich in Germany. Eine Frage, die ich hier leider nicht beantworten kann, ist, wie schnell Zalando ausliefert (leider keine Testbestellung möglich, siehe oben, Zalando führt kaum Artikel in meiner Größe).
Extras
Extras sind für Marcel und mich die Shopaktivitäten im Bereich Mobile, Social Media / Communities oder andere Bagatellaktivitäten.
In Punkto Mobile ist Zalando quasi nonexistent. Kein auf mobile Endgeräte optimiertes Frontend, App o.ä. Damit reiht sich Zalando in die Masse deutscher Shops ein, die fast allesamt auf die Unterstützung mobiler Endgeräte verzichten (siehe dazu auch “Das deutsche M-Commerce Desaster” bei Kassenzone).
Social Media-seitig ist Zalando auf Facebook, Twitter und mit eigenem Blog aktiv. News zu Marken, Angeboten etc. werden auf Twitter und Facebook mehrfach verwertet, tauchen teilweise im Blog auf. Im Blog scheint man eher firmennähere Themen redaktionell aufzubereiten. Schade, dass diese Inhalte in der Quantität der promotionalen Aktivitäten auf Twitter und Facebook untergehen. Die Inhalte des Blogs erscheinen mir gar nicht so schlecht und bringen ein wenig mehr Farbe in die ansonsten so aufgeräumte Shoppingwelt von Zalando.
Ganz interessant ist die relativ neue Zalando-Lounge. Der Shopping Club von Zalando *hust*. Eigentlich ist es mehr ein geschlossener Bereich, den bereits registrierte User auch schon einsehen können und für den sich nicht-User registrieren müssen. Anschließend gelangt man in einen aktionsgetriebenen Bereich des Shops. Was mit der Lounge erzielt werden soll, ist mir nicht ganz klar. Eine stilvollere Art markenspezifisch abzuverkaufen? Neukundengewinnung? Basisarbeit an einem geschlossenem Shopping Club?
Fazit
Guter Shop, gute Services, bissl wenig Emotion – Unterm Strich gefällt mir Zalando gut, da der Shop sich auf die wesentlichen Sachen konzentriert und bei den Artikeldaten sauber ist. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass diese Art des unemotionalen Umgangs mit Mode sich negativ auf die credibility bei hochpreisiger Deisngerware auswirken könnte. Der Shop bietet neben dem durchaus gelungenen Shoppingprozess wenig inhaltlichen Mehrwert. Ich sehe bei Zalando vor allem noch ein Loch bei diesen inhaltlichen Mehrwerten und den Produktempfehlungen, die durchaus in Zusammenhang mit redaktionellen Inhalten zu einem konsisteren Einkaufserlebnis führen können.
Nachtrag im Bereich Social Media:
Die Kollegen von Zalando machten mich per Twitter darauf aufmerksam, dass sie noch einen Modeblog haben.





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Hab Zalando grad ausprobiert. Geliefert wird innerhalb von 2 Tagen – wie versprochen! Glatte Eins dafür!
Hi Thorsten,
danke für den Test
Das ist natürlich echt gut, wobei m.E. eine 1-. Mirapodo & yalook (evtl. noch andere?) schaffen’s in unter 24h, natürlich je nach Orderzeitpunkt. Die haben den Hermes 24h Service standardmäßig integriert meines Wissens nach.
Gruß,
Denis
Schöner Artikel. Da das sicher nicht der letzte Shoptest war, würde ich mir eine Art “Scorecard” wünschen, so dass man schneller durch den Text lesen kann und später die Tests vergleichbar macht.
Erster Eindruck: 4/5 Punkten
Usability: 3/5 Punkten
….
Japp, guter informativer Artikel. Der Vorschlag von Alex mit Scorecard: hmmm ich denke so ein Blog ist auch nur ein Snapshot. Könnte ja sein, das sich so ein Verantwortlicher von Zala auch so seine Gedanken zum Blog macht und zügig verbessert. Und dann ist die Scorecard von heute, morgen nix mehr wert. Und Meinungen gibts immer viele zum Thema.
Das mit Lieferzeit von 2 Tage ist mittlerweile Standard. Dafür gibts keine 1. 100 Tage Rückgaberecht ist wohl nur so ein Marketing Gag. Wer kauft denn ein Teil und lässt das unbenutzt 100 Tage vor sich hin schimmeln? Vielleicht der Rote Mantel von Santa Claus? Aber hört sich mal gut an.
Das Thema Scorecard hatten wir uns auch schon durch den Kopf gehen lassen. Wir haben uns bewußt für die Intransparenz entschieden, bzw. dafür keine harten Bewertungskennziffern zu nennen, damit wir ein wenig uns diplomatischer in der Bewertung ausdrücken können. Als wir das Blog gestartet waren wir nicht sicher, wie so ein Scoring mit unserer Berufswelt harmoniert. Wir lassen uns das mal durch den Kopf gehen.
@ Dentier: Ich persönlich finde 100 Tage Rückgaberecht auch unnötig. Der Knaller sind halt die Shops, die 24h Service als Standardversand nehmen. Da macht das Bestellen dann wirklich Spaß weil man die Klamotte am nächsten Tag hat. Ich würde mir allerdings wünschen, dass überhaupt mal mehr Shops die 2 Tage schaffen.
[...] gemacht, Web Shops aus dem Fashionumfeld unter die Lupe zu nehmen. Hier findet Ihr eine gute Analyse von Zalando aus einem etwas anderen Blickwinkel. Analysiert werden jeweils die Punkte Sortiment, [...]
Tja, ich warte schon seit die Bestellung am 11.09 raus ist, abgebucht am 15.09 und sie immer noch nicht da ist. E-Mail Anfrage wurde bis dato nicht beantwortet ! Bin nun mittlerweile sehr sauer und denke dies war eine einmalige Bestellung.
Ellen
Hallo Denis und danke für den hilfreichen Beitrag.
Ich kann das was Thorsten sagt nur mit Freude bestätigen!